Laptop mit Schloss-Symbol über einer Weltkarte, daneben Schlüsselbund, Aktenordner und ein Vertrag, draußen Hafen und Leuchtturm

Kapitel 11

Souveränität

Digitale Souveränität: Abhängigkeiten gestalten.

Kein Unternehmen betreibt alles selbst. Cloud-Dienste, Fachsoftware und KI-Modelle liefern Fähigkeiten, die NordWerk allein nicht wirtschaftlich aufbauen könnte, und binden es zugleich an ihre Anbieter. Dieses Kapitel klärt, wovon NordWerk abhängt, welche dieser Abhängigkeiten kritisch sind, ob ein Wechsel tatsächlich möglich wäre und welche Optionen sich daraus ableiten. Digitale Souveränität erscheint dabei als Fähigkeit, selbst zu entscheiden, und nicht als Verzicht auf Anbieter.

Das Kapitel im Überblick

Der Anbieter des CRM kündigt an, das Paket, das NordWerk seit 2019 nutzt, nicht weiterzuführen. Das Nachfolgepaket kostet etwa das Doppelte. „Dann wechseln wir eben“, sagt der Finanzchef. Marcus Hofer zählt auf, was daran hängt: rund 180.000 Kundendatensätze, Kampagnenabläufe, die nur eine Kollegin im Marketing vollständig kennt, ein Datenexport, den nie jemand ausprobiert hat, und ein Vertrag, den er nie gesehen hat. Jonas Wilke ergänzt, dass auch die geplante Integrationsschicht und der Assistent für die Filialberater auf das CRM angewiesen sind. Wer im Haus über eine solche Abhängigkeit entscheidet, ist offen.

Das Kapitel versteht digitale Souveränität als Fähigkeit, Abhängigkeiten bewusst zu gestalten und handlungsfähig zu bleiben, nicht als Autarkie. Weder die Herkunft eines Anbieters noch ein eigenes Rechenzentrum garantiert sie. Abhängigkeit ist in aller Regel eine Folge von Arbeitsteilung und keine Fehlentscheidung. Problematisch wird sie, wenn ein geschäftsbedeutsamer Dienst schwer zu wechseln ist.

Um das zu prüfen, unterscheidet das Kapitel sechs Formen der Abhängigkeit: Technologie, Daten, Schnittstellen, Anbieter und Vertrag, Kompetenzen und Ökosystem. Sie zeigen sich an einem konkreten Dienst, nicht am Anbieternamen. Kritikalität und Exit-Fähigkeit ordnen jede Abhängigkeit ein und führen zu einem Handlungsbedarf zwischen akzeptieren, beobachten, absichern und strategisch handeln. Ob ein Wechsel tatsächlich möglich wäre, prüfen acht Prüffelder. Eine Vertragsklausel allein ist noch keine Wechselfähigkeit, und was niemand belegen kann, gilt als offen.

Souveränität ist eine Portfolioentscheidung. Nicht jeder Dienst braucht dasselbe Zielmodell, und Multi-Cloud oder ein europäischer Anbieter sind kein Selbstzweck. Steuern lassen sich Abhängigkeiten nur mit Fähigkeiten im eigenen Haus. Mit der TOWS-Matrix werden aus Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen Handlungsoptionen. Am Ende steht Bergers Entscheidung über das CRM, mit einer Restabhängigkeit, die NordWerk bewusst trägt.

Was dich erwartet

  1. 11.1Vignette: Kann NordWerk wechseln?
  2. 11.2Arbeitsteilung, Abhängigkeit und Souveränität
  3. 11.3Wovon hängt NordWerk ab?
  4. 11.4Nicht jede Abhängigkeit ist kritisch
  5. 11.5Können wir wieder raus?
  6. 11.6Souveränität ist eine Portfolioentscheidung
  7. 11.7Was muss NordWerk selbst können?
  8. 11.8Von der Analyse zur Strategie: TOWS
  9. 11.9NordWerk: Was wird aus dem CRM?
  10. 11.10Übung: Abhängigkeiten bewerten
  11. 11.11Was du aus Kapitel 11 mitnimmst
  12. 11.12Zum Weiterdenken

Übungen und Material

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